Erfahrungs­bericht

Alleine nach Lateinamerika: Emilys Erfahrungen mit Freiwilligenarbeit in Costa Rica und Guatemala

Lateinamerika würde ich mit folgenden drei Worten beschreiben: Leichtigkeit, lebendig, vielfältig.

Eine Freiwillige steht auf einer großen, steinernen Hand

Emily erfüllte sich nach dem Abitur den Traum, alleine nach Lateinamerika zu reisen. Während ihrer Freiwilligenarbeit in Costa Rica und Guatemala lernte sie nicht nur beeindruckende Landschaften und neue Kulturen kennen, sondern entwickelte auch mehr Selbstvertrauen, Gelassenheit und Offenheit. In ihrem Erfahrungsbericht erzählt sie von unvergesslichen Begegnungen, besonderen Momenten und davon, warum sie einen Auslandsaufenthalt mit WanderWorld Travel jederzeit weiterempfehlen würde.

Meine Vorbereitungszeit

Nach dem Abitur war mir klar, dass ich nach 13 Jahren Schule etwas anderes sehen will als Deutschland. Ich wusste drei Dinge: Ich will weit weg, ich will mein Spanisch verbessern und ich will nicht “nur“ Urlaub machen. Deswegen habe ich mich nach Organisationen umgesehen die mich bei meiner ersten langen Reise allein unterstützen. Dabei bin ich auf WanderWorld Travel gestoßen. Es war fast schon schwierig, mich bei so vielen Projekten entscheiden zu können. Die Reise habe ich circa vier Monate vorher gebucht, das war genug Zeit, um mich auf alles vorbereiten zu können. Während der Vorbereitungszeit habe ich es genossen, Leuten erzählen zu können, dass ich bald alleine wegfliegen werde. Und auch, step by step, alles anzuschaffen, was ich so brauche. Mit jeder Kleinigkeit war ich meiner Reise näher und das war ein tolles Gefühl. Ich habe bis kurz vor der Reise gar nicht so ganz realisieren können, dass ich das wirklich tun werde. Ich habe es meinem Umfeld erzählt, aber die Reise schien immer noch so weit weg zu sein doch auf einmal war ich schon auf dem Weg zum Flughafen. Ich hatte natürlich auch ein bisschen Angst, für längere Zeit alleine so weit von zuhause weg zu sein. Aber genau deshalb habe ich mich für diese Organisation entschieden.
WanderWorld Travel hat mich einerseits bei Ländern beraten, die ich bereisen wollte und ist mit mir die Planung Schritt für Schritt durchgegangen. Wir haben über Sorgen geredet, über mögliche Situationen vor Ort und wie ich damit umgehen solle. Obwohl ich alleine dort war, war es ein schönes Gefühl zu wissen, dass ich trotzdem Ansprechpartner habe. Gerade deswegen, weil es meine erste Reise allein war.

Die ersten Tage

Ich bin spät abends in Costa Rica gelandet. Alle in Deutschland haben schon geschlafen und als ich am Flughafen ankam, wurde ich direkt von vielen Taxifahrern belagert, die fragten, wohin ich muss. Zum Glück hatte WanderWorld Travel einen Fahrer für mich organisiert mit dem ich schon vor Ankunft in Kontakt war. Direkt am Flughafen habe ich eine andere Voluntärin kennengelernt, mit der ich mich direkt gut verstanden habe und so weniger das Gefühl hatte, jetzt schon allein zu sein. Wir wurden zu unserem Hostel gefahren, wo wir dann noch die anderen Volunteers kennengelernt haben. Wir waren insgesamt sechs Leute von WanderWorld Travel die den Einführungstag zusammen verbracht haben. Am nächsten Tag sind wir am Hostel gestartet und haben den Tag in Costa Ricas Hauptstadt San José verbracht. Uns wurde gezeigt, wie man vor Ort Geld abhebt, gesagt, wie viel die Währung wert ist und anschließend waren wir lokal essen.
Am Tag darauf haben sich die Wege der Volunteers getrennt und alle sind an den eigenen Projektstandort gefahren. Vor Ort beim Projekt in Uvita an der Pazifikseite Costa Ricas wurde mir zuerst das Hostel gezeigt, wo ich schlafen werde und mir wurden alle essenziellen Informationen gesagt, die ich wissen musste. Ich hatte also erstmal auch Zeit, den kleinen Ort selbst zu erkunden. Ich habe ungefähr zwei Wochen gebraucht, um mich wirklich einleben zu können, aus dem Grund, weil es ganz anders war als das, was ich in Deutschland gewohnt war. Aber sobald ich das hinter mir hatte, konnte ich den Rest der Zeit in vollen Zügen genießen.

Ich habe fünf mal pro Woche á vier Stunden pro Tag gearbeitet. Meine Aufgaben waren es, Wäsche aufzuhängen, die Gemeinschaftsküche sauber zu halten und generell für die Gäste verfügbar zu sein. Besonders schön war es, dort so viele Leute kennenzulernen. Ich hatte das Glück, genau zu der Zeit dort zu sein, als das größte Festival Costa Ricas stattfand. Das kann ich nur empfehlen!
Es war ganz besonders, so viele Menschen aus verschiedenen Ländern kennenzulernen. Wir haben teilweise zusammen gekocht, Karten gespielt oder einfach bis in die Nacht geredet. Die Mitarbeiter untereinander haben sich auch alle gut verstanden, obwohl wir alle aus unterschiedlichen Teilen der Welt kamen. Argentinien, USA, Deutschland…, es war einiges dabei. Vor Ort zu wohnen hat eine ganz natürliche Leichtigkeit mitgebracht, gerade im Umgang mit anderen Mitarbeitern und den Gästen.

Meine Freizeit in Uvita

Durch die Arbeit im Hostel habe ich alle paar Tage neue Leute kennenlernen dürfen, mit denen ich meine Freizeit verbracht habe. Wir sind im Dschungel wandern gegangen, waren an Wasserfällen oder sind oft runter zum Strand gelaufen und haben vor allem viele Smoothies getrunken! Ein ganz besonderes Highlight war, dass meine Chefs mir die Möglichkeit gegeben haben, das zuvor erwähnte Festival zu besuchen. Ich war an zwei Abenden am Strand (wo man umsonst hin konnte) und allein das hat sich schon gelohnt. Am Strand abends mit hunderten anderen Leuten runterzuzählen, wann die Sonne untergeht, war ein Moment, den ich nie vergessen werde. Generell hat sich jeder Sonnenuntergang dort besonderer angefühlt als der am Abend davor. Und das fast 60 Abende infolge war die beste Zeit meines Lebens.

Meine Erfahrung mit der Kultur

Die Menschen vor Ort sind alle ganz offen. Ich habe mit Einheimischen mein Spanisch verbessern können. Sie freuen sich, wenn man zumindest versucht, ihre Sprache zu sprechen! In dem kleinen Ort, in dem ich war, gab es einige kleine Läden, mit handgemachten Dingen. Darunter Schmuck, Klamotten, Seifen…, all sowas. Und hinter allem steckte eine eigene kleine Geschichte, das hat das Ganze noch besonderer gemacht. In Costa Rica gilt wirklich das Motto “Pura Vida”. Die Menschen nehmen das Leben nicht zu ernst. Fehler können und werden passieren und das ist okay. Die Menschen sind mal zu spät (vor allem Busfahrer) und das ist auch okay! Niemand lässt sich stressen von Dingen, vor allem nicht von Dingen die man nicht beeinflussen kann und das trage ich seither auch in mir.

Meine schönsten Momente

Der schönste Moment in Costa Rica war definitiv, als ich Richtung Strand gelaufen bin, wo das Festival stattfand. Ich hörte die Musik schon von Weitem. Nachdem wir circa 200 Meter durch einen mit Palmen gesäumten Weg gelaufen sind, kamen wir am Strand an, wo die Sonne schon am untergehen war, es waren viele Menschen vor Ort. Es gab Künstler, die mit Feuer tanzten, Menschen auf Jetskis und andere, die Parasailing machten. Es war ganz viel auf einmal, aber hat gleichzeitig auch eine Ruhe in mir hervorgerufen. Ich war dort mit einem anderen deutschen Gast, den ich zuvor bei der Arbeit im Hostel kennengelernt habe.
In dem Moment am Strand dachte ich daran, dass ich das wirklich erleben darf, während alle Freunde und Familie zuhause schlafen. Es war ein wohltuendes Gefühl, weil gerade das den Augenblick irgendwie so besonders gemacht hat.

Was ich meinem Projekt mitgeben konnte

Meine Arbeit vor Ort, vor allem in Guatemala,  war wichtig, um den Kindern dort helfen zu können. Ich habe Ihnen Englisch beigebracht, bei Hausaufgaben geholfen oder einfach Zeit mit ihnen verbracht und ich habe gemerkt, dass sie das sehr genossen und geschätzt haben. Sie haben nach Bildern aus Deutschland gefragt und wollten wissen, wie das Leben vor Ort ist. Ich konnte den Mädchen mit denen ich gearbeitet habe, hoffentlich etwas Selbstbewusstsein mitgeben, beispielsweise als wir Prinzessinnen gespielt haben und eine Modenschau gemacht haben. Ich habe viel davon erzählt, wie das Leben in Deutschland ist. Aber ich bin umso dankbarer, dass ich das Leben dort ganz natürlich miterleben durfte.

Mein Lieblingsort

Sehr besonders war die Zeit in Jacó, in Costa Rica am Pazifik. Der Ort war eine Mischung aus Touristen und Einheimischen. Ich habe zusammen mit einem anderen Freiwilligen von WanderWorld Travel jeden Abend andere Menschen kennengelernt und ganz viele verschiedene Lebensgeschichten gehört, das habe ich sehr genossen! Ich habe mir während der Reise oft gedacht, dass ich ein Gefühl in mir trage, was ich so bisher noch nicht kannte. Man muss es einfach erlebt haben. Die ganze Mentalität vor Ort unterscheidet sich sehr von der deutschen. Gerade in Bezug auf die Ernsthaftigkeit des Lebens.

Meine Unterkunft

Ich habe in Costa Rica in dem Hostel geschlafen, in dem ich gearbeitet habe. Wir Freiwilligen haben uns die oberste Etage geteilt und jeder hatte eine Matratze und ein Fliegennetz zur Verfügung. Das Hostel bestand komplett aus Holz, die Vorderseite war vollständig offen. Auch das unterschied sich stark zu deutschen Standards. Aber mitten im Dschungel mit Blick aufs Meer aufzuwachen, ist mit Deutschland eben auch nicht zu vergleichen.

Warum ich Lateinamerika liebe

Ich will in diesem Leben zu 100 % noch einmal nach Costa Rica und auch nach Guatemala reisen. Costa Rica hat eine der größten Artenvielfalt der Welt und es lohnt sich auf jeden Fall hinzugehen. Zwei Monate vor Ort waren einerseits eine lange Zeit, gleichzeitig aber viel zu kurz. Costa Rica hat unglaublich viel zu bieten, eine beeindruckender Natur sowie eine faszinierende Tierwelt. Aber auch Guatemala begeistert mit seiner Tiervielfalt. Man sollte auf jeden Fall die Vulkanwanderung gemacht haben oder ihn zumindest ausbrechen sehen. Antigua, der Ort an dem ich war, war so bunt und es würde sich jedes Mal wieder lohnen ihn zu sehen. Ich würde anderen Teilnehmer empfehlen, eine Offenheit gegenüber den Ländern mitzubringen. Meine Ratschläge würden daraus bestehen, sich mit so vielen Einheimischen, wie es geht, zu unterhalten, um die Sprache zu lernen, um über das Land zu erfahren. Es gibt immer Geheimtipps, die man auf TikTok oder ChatGPT niemals mitbekommen würde. Außerdem sollte man immer auf Einheimische hören, was zum Beispiel die Sicherheit angeht, wo man abends hin kann und welche Gebiete man lieber meiden sollte. WanderWorld Travel würde ich jederzeit empfehlen, weil ich mich immer gut betreut gefühlt habe. WanderWorld Travel hat in schwierigen Situationen geholfen und immer mal wieder nachgefragt, wie meine Zeit ist. Sie haben vor und nach Ankunft bei den Projekten nachgehakt, ob ich gut angekommen bin beziehungsweise on die Reise gut verlaufen ist. Gleichzeitig wurde nicht zu viel Kontakt gesucht, sodass ich auch wirklich das Gefühl hatte dort meine alleinigen Erfahrungen machen zu können.

Sicherheit vor Ort

Vor Ort haben mich verschiedene Gefühle geprägt. Ich habe mich vor Ort sicher gefühlt, weil ich vorher mit Leuten geredet habe, die mir Tipps gegeben haben. Oft wurde mir aber auch gesagt, ich sollte nachts nicht alleine rausgehen. Ich habe mich tagsüber teilweise unsicher gefühlt aus dem Grund, dass man mit einem europäischen Erscheinungsbild oft angeschaut und angesprochen wird. Es war anfangs schwierig, mich daran zu gewöhnen, aber es war dort einfach anders als in Deutschland. Ich habe mich zu keiner Zeit bedroht gefühlt, sondern habe gemerkt, dass es dort eher ein Kompliment war. Und genauso habe ich es dann auch aufgenommen. Ich würde Teilnehmenden empfehlen, nicht nur touristische Aktivitäten zu machen, sondern auch eine Einheimische nach Geheimtipps zu fragen, was zum Beispiel lokale Restaurants betrifft oder private Touren. Teilnehmende sollten nicht zu festgefahren in deutschen Standards und Denkweisen sein, weil diese einfach nicht vergleichbar sind mit denen in Mittel- und Südamerika. Trotzdem wissen Einheimische auch, dass man mental anders aufgewachsen ist und die Dinge anders kennt, und nehmen einen kleine Ausrutscher auch nicht übel.

Wie mich die Reise verändert hat

Ich habe gelernt, mit einer Leichtigkeit durchs Leben zu gehen, nicht alles persönlich zu nehmen und auch mich nicht von irrelevanten Dingen emotional beeinflussen zu lassen. Ehrlicherweise hat mir gerade Costa Rica auch dabei geholfen, nicht mehr so zu erschrecken, wenn beispielsweise Insekten auf mir landen. Das ist dort einfach normal. Durch die Wohnstandards in Deutschland war ich es gewohnt, dass in der Küche keine kleinen Tiere auftauchen. Vor Ort war das anfangs ungewohnt. Heute kommt es mir fast schon seltsam vor, mich darüber zu erschrecken, schließlich leben wir mit der Natur und ihren Tieren zusammen. Ich erinnere mich an eine Situation Guatemala, die mich sehr geprägt hat. Ich habe vor Ort bei einem Kinder Hilfsprojekt gearbeitet. Ich habe auf das letzte Mädchen gewartet, die fertig essen musste, damit ich sauber machen und nach Hause gehen konnte. Alle anderen Kinder waren schon weg und irgendwann sagte mir die Projektleiterin vor Ort, dass dieses Mädchen, die nur vier Jahre alt war, immer so viel Hunger hat, weil sie zu Hause kein Essen bekommt. Und auf einmal war es egal, ob ich eine Stunde früher oder später zu Hause war. Und ich habe gemerkt, dass ich das, was ich in Deutschland habe, für viel zu selbstverständlich nehme. Es ist nur geographisches Glück, dass ich das Privileg habe dauerhaft an genügend Essen und warmes Wasser zu kommen.

Meine Tipps für zukünftige Teilnehmer

Lateinamerika bietet Freiraum für viele verschiedene Interessen. Wenn man sehr sportbegeistert ist, lohnt es, sich an den Pazifik zu gehen und dort zu surfen. Es gibt auch viele Wanderrouten, zum Beispiel durch den Dschungel. Aber auch wenn man sich nur entspannen möchte, ist der Strand der perfekte Ort dafür. Man kann die Zeit dort gut alleine verbringen und gleichzeitig kommt man kaum drum rum andere Menschen kennen zu lernen, um mit ihnen was zu unternehmen. Und die besten Erfahrungen entstehen meistens sowieso spontan oder durch etwas, was man vielleicht alleine nicht getan hätte. Man sollte definitiv eine gewisse Offenheit mitbringen. Wenn einem das aber schwer fällt, bin ich mir sicher, dass man das mit der Zeit lernt, was auch vollkommen okay ist.

Den Aufenthalt haben definitiv die Menschen besonders gemacht, die ich dort kennen gelernt habe. Es waren Menschen aus ganz vielen anderen Ländern vor Ort, die entweder selber Reisende waren oder auch Freiwilligenarbeit gemacht haben und von jedem von Ihnen konnte ich etwas lernen. Das Leben dort scheint einfacher zu sein als das in Europa und das, obwohl sie weniger hatten. Die Menschen waren mit weniger zufrieden. Sie trugen trotzdem eine ganz natürliche Lebensfreude in sich. Mittlerweile kommt es mir ganz lächerlich vor, worüber man sich in Deutschland beschweren kann, nachdem ich gesehen habe, wie einige Menschen im Mittelamerika leben. Die Lebensverhältnisse vor Ort waren sehr verschieden zu denen in Deutschland. Das Essen wurde auf dem Markt gekauft, das Obst selber angebaut. Es war außerdem viel religiöser als Europa. Lateinamerika würde ich mit folgenden drei Worten beschreiben, erstens Leichtigkeit, und das obwohl Menschen teilweise sehr hart, für das Geld das sie verdienen, arbeiten mussten. Trotzdem trugen die Menschen diese Leichtigkeit in sich und auch eine Offenheit, die ich bisher nur selten erleben durfte. Wenige Menschen sprachen Englisch und mein Spanisch war anfangs noch nicht ganz so gut, aber trotzdem konnte man sich immer irgendwie verständigen. Ein anderes passendes Wort ist lebendig. Die Menschen waren lange unterwegs. Viele Menschen waren im Park, obwohl sie am nächsten Tag arbeiten mussten. Es gab Künstler vor Ort, die gesungen oder getanzt haben und die Laune war bei allen gut. Lateinamerika ist außerdem vielfältig. Ich wollte nach Costa Rica und Panama gehen und habe mich durch WanderWorld Travel aber für Guatemala anstatt Panama entschieden und obwohl diese Länder nicht weit auseinander liegen, sind Costa Rica und Guatemala ganz unterschiedlich. Die Mentalität bleibt ähnlich, aber beispielsweise tragen in Guatemala die Frauen noch selbst gemachte Trachten. Von denen ich gar nicht wegschauen konnte, weil sie so wunderschön aussahen.

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