Erfahrungs­bericht

Freiwilligenarbeit in Mexiko: Projekte, Alltag & Tipps für Lateinamerika

Mein wichtigster Tipp für zukünftige Teilnehmer: Lasst euch wirklich darauf ein. Geht offen rein und versucht, euch nicht von den bekannten Sicherheitsbedenken zurückhalten zu lassen. Natürlich ist das ein Thema, aber es ist eben nur ein Teil und Lateinamerika hat so unglaublich viel zu bieten, wenn man bereit ist, es zu erleben.

Selfie einer Frewilligen

Nike erlebte einen intensiven Auslandsaufenthalt in Mexiko, der durch die Kombination aus Freiwilligenarbeit, interkulturellem Austausch und persönlicher Weiterentwicklung geprägt war. Neben der Arbeit mit Kindern im Projekt in Sayulita boten besonders die Begegnungen mit Menschen, das Surfen und das Eintauchen in die lokale Kultur unvergessliche Erlebnisse. Die Reise war eine Mischung aus Herausforderung, Wachstum und Lebensfreude, die auch die eigene Perspektive nachhaltig verändert hat.

Child Care Mexiko

Meine Vorbereitungszeit

Ich habe mich auf meinen Aufenthalt vorbereitet, indem ich mein Spanisch aufgefrischt, verschiedene Optionen in der Region recherchiert und mich mit Freunden vor Ort ausgetauscht habe. Besonders spannend war es, sich die verschiedenen Möglichkeiten vor Ort genauer anzuschauen und mir vorzustellen, wie mein Alltag aussehen könnte. Meine Motivation für Lateinamerika kommt aus einer langjährigen Begeisterung: Ich war bereits in Brasilien, Mexiko, Kolumbien und Guatemala und liebe die Kultur, die Musik und das Tanzen. Mein Ziel ist es, langfristig ganz Lateinamerika zu bereisen und den Kontinent mit all seinen Facetten intensiv kennenzulernen.

Die ersten Überlegungen zur Reise begannen etwa fünf Monate im Voraus, die konkrete Planung folgte ein bis zwei Monate vorher. Vor der Reise habe ich mich vor allem gefragt, wie es sein wird, auf Spanisch zu arbeiten, wie sich der Arbeitsalltag unterscheidet und welche Herausforderungen mich erwarten. WanderWorld hat mich während der gesamten Vorbereitung stark unterstützt, besonders bei der Organisation, kurzfristigen Anforderungen und der Projektumsetzung im Rahmen meines Studiums. Das war nicht nur unfassbar hilfreich, sondern hat mir auch ein Gefühl der Sicherheit im Rahmen von Planung und Umsetzung gegeben. Ich habe umfangreiche Informationen zu der Region und auch zum Projekt erhalten, sowie eine Ansprechpartnerin die ich vorab zur Koordination kontaktieren konnte.

Die ersten Tage

Die ersten Tage waren etwas holprig, weil meine Mitreisende direkt von einem medizinischen Notfall betroffen war. Das war erstmal anstrengend und stressig, aber WanderWorld hat uns total unterstützt und auch vom Projekt waren alle verständnisvoll und hilfsbereit. Das hat wirklich viel Sicherheit gegeben.

Trotz all den Komplikationen war der erste Eindruck von Sayulita direkt richtig schön. Wir haben uns ziemlich schnell in den Ort verliebt und uns im Hostel sofort wohlgefühlt. Die Stimmung dort war entspannt und familiär, nicht überfüllt oder party-lastig, sondern genau die richtige Mischung, um anzukommen, andere Reisende kennenzulernen aber auch genug Ruhe zu haben, um sich auf das Projekt zu fokussieren. Im Projekt selbst wurden wir richtig herzlich empfangen. Alle waren offen und haben sich die Zeit genommen, uns alles zu erklären. Wir konnten uns viel austauschen, unsere Aufgaben besprechen und hatten von Anfang an ein gutes Gefühl. Auch die Arbeitszeiten waren super angenehm geregelt. In den ersten Tagen haben wir uns viel Zeit genommen um die Kinder kennenzulernen, wir haben viel mit ihnen gespielt und versucht, uns in die Strukturen einzuleben. Am Ende der Woche waren wir dann gemeinsam mit dem Team abends essen und bei einem Theaterstück, was die erste Woche für uns super abgerundet hat.

Ein Tag im Child Care Mexiko Projekt

Da wir das Ganze im Rahmen unseres Psychologiestudiums gemacht haben, war unsere Arbeit stark von unserem Studium geprägt. Wir sind nachmittags angekommen, haben Zeit mit den Kindern verbracht und waren regelmäßig mit den Psychologinnen vor Ort im Austausch, bevor wir dann parallel ein Forschungsprojekt umgesetzt haben.

Besonders schön war die Arbeit mit den Kindern. Es war unglaublich erfüllend und hat einem einen ganz anderen Zugang zum Alltag und zur Kultur gegeben, als man ihn beim klassischen Reisen hätte. Genau dadurch sind wir auch viel tiefer eingetaucht. Wir haben uns im Projekt wirklich super betreut gefühlt. Die Zusammenarbeit mit den Mitarbeiter:innen war sehr offen und wertschätzend. Wir konnten extrem viel im Austausch lernen und uns gegenseitig inspirieren, was die Erfahrung nochmal besonders gemacht hat. Inhaltlich haben wir viel über das Leben und die Strukturen in Mexiko gelernt, aber vor allem auch über interkulturelle psychologische Arbeit. Es war insgesamt ein riesiger Lernprozess und für das Studium extrem wertvoll. Ich bin sehr froh, dass ich mich für dieses Projekt entschieden habe.

Meine Freizeit in Sayulita

Meine Freizeit habe ich vor allem mit meiner Mitreisenden und den Leuten verbracht, die wir im Hostel und in Sayulita kennengelernt haben. Es war eine richtig schöne Mischung aus vertrauten Momenten und neuen Begegnungen. Wir haben leider nicht so viele Ausflüge gemacht, weil wir durch die psychologische Arbeit viel mit dem Projekt zu tun hatten und leider auch öfter gesundheitlich eingeschränkt waren. Wenn wir am Wochenende Zeit hatten, sind wir zu nahegelegenen Inseln gefahren und haben immer wieder neue Strände entdeckt. Jeder Strand hatte seine eigene Besonderheit.

Mein absolutes Highlight war aber ganz klar das Surfen. Ich liebe Surfen, meine ersten Erfahrungen habe ich schon in Guatemala und in Baja California gesammelt und die Strände rund um Sayulita waren einfach perfekt dafür. Wir haben wirklich jede freie Minute genutzt, um ins Wasser zu gehen. Ein besonderer Spot war der Strand La Lancha: Er ist etwas abgelegen, hatte richtig schöne Wellen und war nie überfüllt. Genau diese Mischung hat dazu geführt, dass ich die Zeit dort für mich zu einem der besten Erlebnisse wurde.

Meine Erfahrung mit der Kultur

Meine Erfahrungen mit der Kultur waren durchweg sehr intensiv, vor allem durch die Arbeit im Projekt. Besonders fasziniert hat mich die Herzlichkeit. Wir wurden überall offen empfangen und ich habe mich wirklich willkommen gefühlt. Vor allem die Kinder haben mich total beeindruckt: Ihre Energie, ihre Talente und ihre Art, mit so viel Offenheit auf einen zuzugehen, war einfach besonders. Besonders fasziniert hat mich, wie stark Gemeinschaft und Zusammenhalt gelebt werden. Ich habe viel darüber gelernt, Dinge mehr im Moment zu sehen, offener auf Menschen zuzugehen und mit einer gewissen Leichtigkeit durchs Leben zu gehen. Diese intensiven Begegnungen haben definitiv am meisten Eindruck hinterlassen.

Ein großer Teil dieser Erfahrung war auch das Team vor Ort. Alle waren unglaublich engagiert, aber besonders beeindruckt hat mich die Gründerin vom Projekt. Die Entstehungsgeschichte des Projekts, die Idee und wie viel Herzblut darin steckt, war wirklich bewegend. Sie hat einem noch einmal eine ganz neue Perspektive geschenkt und geholfen zu verstehen, warum diese Arbeit so wichtig ist. Sehr prägend war auch der Umgang mit sozialer Ungleichheit in Mexiko. Viele Menschen bringen sich aktiv ein, entwickeln eigene Ideen und werden unglaublich kreativ, um etwas zu verändern. Das zu sehen, war extrem inspirierend. Der Ort selbst hatte für mich fast etwas Magisches. Man lernt nicht nur das Land besser kennen, sondern auch sich selbst. Viele Dinge, die für uns selbstverständlich sind, hinterfragt man plötzlich. Besonders aufgefallen ist mir, wie viel stärker die Menschen dort mit der Natur verbunden leben. Das war für mich sehr lehrreich und hat mir nochmal eine ganz neue Sichtweise gegeben.

Meine schönsten Momente

Es gab gar nicht diesen einen Moment, vielmehr waren es ganz viele kleine, die zusammen diese Zeit so besonders gemacht haben. Vor allem die intensiven Begegnungen mit Menschen sind mir in Erinnerung geblieben. Dieses Gefühl, irgendwann nicht mehr nur „zu Besuch“ zu sein, sondern wirklich einen Alltag zu haben und sich ein Stück weit zu Hause zu fühlen, war etwas ganz Besonderes.

Genauso prägend waren die Momente beim Surfen, im Wasser zu sein, komplett im Hier und Jetzt, oft zusammen mit meiner Mitreisenden oder Leuten, die wir dort kennengelernt haben. Und dann waren da noch die Sonnenuntergänge: jedes Mal anders, total malerisch und irgendwie der perfekte Abschluss für den Tag. In diesen Momenten habe ich mich einfach frei, angekommen und richtig glücklich gefühlt.

Mein Lieblingsort

Ein Ort, der mich besonders fasziniert hat, war der Strand La Lancha. Er ist etwas abgelegen und genau das hat ihn so besonders gemacht: Er war ruhig, nicht überlaufen und einfach unglaublich schön. Dort konnte ich richtig abschalten. Es war einer dieser Orte, an denen man sofort entspannt, den Kopf frei bekommt und komplett im Moment ist. Gleichzeitig hatte ich dort auch einige meiner besten Surfsessions, die Wellen waren einfach perfekt.

Auch die Sonnenuntergänge dort waren jedes Mal besonders und haben dem Ganzen nochmal eine ganz eigene Stimmung gegeben. Im Vergleich zu meiner Heimat Berlin könnte der Kontrast kaum größer sein. Statt Großstadt, Trubel und ständigem Input war da einfach nur Ruhe, Natur und Weite, und genau das hat diesen Ort für mich so besonders gemacht.

Meine Unterkunft

Wir haben in einem Hostel gewohnt und uns ein Zweibettzimmer geteilt, was für uns perfekt war. Wir haben uns schnell wie zu Hause gefühlt. Im Hostel war immer etwas los, aber nie so, dass es stressig oder zu viel wurde. Viele Reisende waren länger dort, wodurch sich schnell eine vertraute, fast schon familiäre Atmosphäre entwickelt hat. Man hat sich gekannt, immer wieder gesehen und es sind ganz natürlich Gespräche und gemeinsame Aktivitäten entstanden. Ich habe dort mit meiner Mitreisenden gewohnt, aber gleichzeitig auch Zeit mit anderen verbracht, die wir im Hostel kennengelernt haben.

Im Vergleich zu meinem Zuhause war es auf jeden Fall lebendiger. Es war immer Bewegung da, mehr Austausch, mehr spontane Begegnungen. Gleichzeitig musste man sich an ein paar Dinge gewöhnen, zum Beispiel daran, dass Wasser dort deutlich knapper ist als in Deutschland und man bewusster damit umgehen muss.

Warum ich Lateinamerika liebe

Für mich ist Lateinamerika einfach magisch, lebendig und warm. Magisch, weil es Orte gibt, die sich fast unwirklich anfühlen. Lebendig, weil überall Musik, Bewegung und Energie ist. Und warm, nicht nur vom Klima her, sondern vor allem durch die Menschen und das Miteinander.

Ich habe mich schon vor Jahren in diesen Kontinent verliebt und fühle mich dort so lebendig wie nirgendwo sonst. Genau das macht den Aufenthalt auch so besonders: die Kombination aus beeindruckender Natur, unerwarteten Ereignissen und einer ganz anderen Lebensweise. Alles wirkt emotionaler, offener und irgendwie echter.

Was Lateinamerika für mich von anderen Orten unterscheidet, ist vor allem die Mentalität. Vieles ist spontaner, gemeinschaftlicher und weniger durchgetaktet. Gleichzeitig ist die Natur atemberaubend schön und vielfältig und oft auch viel präsenter im Alltag. Das verändert auch die eigene Perspektive auf vieles.

Meine Tipps für zukünftige Teilnehmer

Mein wichtigster Tipp für zukünftige Teilnehmer: Lasst euch wirklich darauf ein. Geht offen rein und versucht, euch nicht von den bekannten Sicherheitsbedenken zurückhalten zu lassen. Natürlich ist das ein Thema, aber es ist eben nur ein Teil und Lateinamerika hat so unglaublich viel zu bieten, wenn man bereit ist, es zu erleben. In Zukunft möchte ich auf jeden Fall noch viele weitere Länder in Lateinamerika bereisen. Besonders zieht es mich aber wieder nach Brasilien und Mexiko. Ich war schon mehrmals in beiden Ländern aber Brasilien ist so riesig und vielfältig, dass es noch so viel zu entdecken gibt und Mexiko fühlt sich für mich mittlerweile nach einem zweiten Zuhause an.

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