Erfahrungs­bericht

Freiwilligenarbeit in Zentralamerika: Ninas Zeit zwischen Vulkanen & Dschungel

Man sollte sich darauf einstellen, dass manche Dinge entschleunigter laufen, als wir es vielleicht gewohnt sind.

Die Freiwillige posiert mit Einheimischen für ein Bild

Vier Monate Zentralamerika, zwei Länder und jede Menge unvergessliche Erfahrungen: Während ihrer Reise mit WanderWorld Travel verbindet Nina Freiwilligenarbeit in Guatemala und Costa Rica mit einem Spanischkurs, dem Leben bei Gastfamilien und besonderen Begegnungen mit den Menschen vor Ort. In ihrem Erfahrungsbericht erzählt sie von der Arbeit auf einer nachhaltigen Eco Farm, ihrem Alltag mitten in der Natur Costa Ricas und davon, warum vor allem die persönlichen Begegnungen ihre Reise so besonders gemacht haben.

Meine Vorbereitungszeit

Ich war von Oktober 2025 bis Januar 2026 mit WanderWorld Travel in Zentralamerika unterwegs. Im Juni 2025 habe ich meine Reise gebucht und hatte dadurch knapp vier Monate Zeit, alles Nötige zu planen und zu organisieren. WanderWorld Travel stand mir in dieser Zeit immer für Fragen zur Verfügung. Ich habe für beide Projekte (Guatemala & Costa Rica) auch jeweilige Packlisten erhalten, weshalb die Vorbereitung ziemlich entspannt war und ich bestens ausgerüstet meine Reise antreten konnte.

Die ersten Tage

Vor Projektbeginn in Guatemala habe ich einen zweiwöchigen Sprachkurs am Lago de Atitlán gemacht. Während dieser Zeit war ich bei einer super lieben Familie untergebracht und konnte dort schon mal den ersten Kontakt mit Einheimischen knüpfen sowie Land und Kultur kennenlernen. Der Sprachkurs an sich war auch sehr empfehlenswert. Mein Lehrer ging komplett auf mein persönliches Sprachniveau ein, wodurch ich in meinen ersten zwei Wochen in Guatemala wieder perfekt ins Spanisch-Sprechen hinein finden konnte. Danach ging es weiter nach Antigua zum eigentlichen Projekt. Dort war ich mit anderen Volunteers in einem Guesthouse untergebracht, welches vermutlich die schönste Dachterrasse Guatemalas (der Welt?) besitzt. Mit Blick auf drei Vulkane hat der Kaffee am Morgen dort oben besonders gut geschmeckt. Mit zwei anderen Volunteers von WanderWorld Travel habe ich mir ein Mehrbettzimmer geteilt. Auf die Weise konnten wir gemeinsam die Stadt erkunden, uns austauschen und Ausflüge wie beispielsweise eine Vulkanbesteigung machen.

In Costa Rica war ich in einem kleinen abgelegenen Dorf namens Gandoca an der Karibikküste untergebracht. Ich habe dort bei einer ganz lieben Familie gelebt, die mich von Beginn an sehr warmherzig empfangen hat. Während meines Aufenthaltes waren keine anderen Volunteers vor Ort, weshalb ich nur mit Einheimischen Kontakt hatte. Auf diese Weise habe ich sehr, sehr viel Zeit mit meiner Gastfamilie verbracht, was unglaublich schön war und nebenbei dazu geführt hat, dass ich vier Wochen fast ausschließlich Spanisch gesprochen habe.

Ein Tag im Eco Farm und Permaculture Farm Projekt

Auf der Ecofarm in Guatemala hatte ich jeden Tag eine andere Aufgabe, da die Zuteilung immer rotiert hat. Von Pflanzen gießen, Unkraut jäten, Samen pflanzen war alles dabei. Die Farm legt großen Wert auf ein nachhaltiges Arbeiten im Einklang mit der Natur. Die Mondphasen spielen für das Anpflanzen sowie Ernten eine Rolle. Damit der Boden nährstoffreich bleibt, wird in Spiralen angebaut und die verschiedenen Pflanzen „wandern“ innerhalb dieser Spiralen, sodass Zwiebeln beispielsweise nie nur an der gleichen Stelle wachsen und geerntet werden. Alles über diese Methoden zu erfahren, fand ich sehr spannend. Die Mitarbeiter*innen der Farm haben ihr Wissen und ihre Erfahrungen gerne mit uns geteilt. Ich konnte immer Fragen stellen und hatte auch immer Ansprechpartner*innen auf der Farm.

In Gandoca wurden meine Aufgaben an das Wetter angepasst. Aufgrund der regelmäßigen Regenschauer muss man sehr flexibel sein und Pläne gegebenenfalls kurzfristig ändern. Die Familie, bei der ich lebte, hat eine kleine Farm/Finca direkt in Gandoca. Dort gibt es Hühner, einen Gemüsegarten und sehr viele Obstbäume. Hier habe ich beim Füttern der Hühner und Schweine geholfen, Obst und Gemüse gepflanzt, gegossen sowie geerntet. An den Wochenenden habe ich oft geholfen, Empanadas oder Tortillas zu machen. Das hat sehr viel Spaß gemacht.
Meine Gastfamilie besitzt zusätzlich Land weiter im Dschungelinneren, etwas außerhalb von Gandoca. Einen Großteil hiervon schützt und bewahrt die Familie, einen kleinen Teil davon darf sie zur Nutzung verwenden. Es werden Bohnen angepflanzt sowie Kakao, Guanabana, Hibiskus und vieles mehr. Pferde und Kühe leben ebenfalls auf der Finca im Dschungel. Auch hier variieren die Aufgaben je nach Wetterlage. Mein Aufenthalt in Gandoca war ein richtiges Abenteuer voll unberührter Natur, exotischer Tiere & Pflanzen und ganz wundervoller Menschen.

Meine Freizeit in Guatemala und Costa Rica

Guatemala bietet sehr viele Ausflugsziele. Meine freie Zeit an den Wochenenden oder nach dem offiziellen Projektende habe ich zum Entdecken des Landes verwendet. Ich war auf dem Vulkan Acatenango, das absolute Highlight meiner kompletten Reise, und habe die antike Maya-Stadt Tikal besucht. Antigua bietet den perfekten Ausgangspunkt, um die Vielzahl an Sehenswürdigkeiten des Landes zu besichtigen. Vieles erreicht man von dort aus mit öffentlichen Bussen oder privaten Transporten.

In Costa Rica habe ich meine Zeit, abgesehen von der Einführungsveranstaltung in der Hauptstadt San José, komplett in Gandoca verbracht. Dort war ich an den Wochenenden mit den Kindern der Gastfamilie am Strand beim Baden oder auf kleinen Entdeckungstouren durch den Dschungel unterwegs.

Meine Erfahrung mit der Kultur

Ich interessiere mich sehr für andere Kulturen, daher war es mir auch immer sehr wichtig, direkten Kontakt zu Einheimischen zu haben. Alle Personen, mit denen ich aufgrund der Projekte von WanderWorld Travel zu tun hatte, waren sehr aufgeschlossen und haben mich von Anfang an willkommen geheißen. Von der ersten Gastfamilie am Lago de Atitlán, über meinen Spanischlehrer, den Besitzern und Angestellten der Ecofarm, bis hin zu meiner Gastfamilie in Costa Rica. Ich habe sehr viele tolle Menschen kennengelernt, die mir ihre Kultur und Bräuche nähergebracht haben. Ich konnte immer so viele Fragen stellen, wie ich wollte, durfte mit zu traditionellen Veranstaltungen und war immer Teil der Gemeinschaft.

Meine schönsten Momente

Ich habe sehr, sehr viele schöne Momente erlebt, der mit Abstand beeindruckendste für mich war die Besteigung des Acatenangos. Das war ein Naturspektakel, das ich in der Weise noch nicht erlebt habe. Bei sternenklarer Nacht am Lagerfeuer zu sitzen und dem Vulkan beim Ausbrechen zuzusehen, war für mich ein unbeschreibliches Erlebnis.

Mein Lieblingsort

Gandoca war für mich ein ganz besonderer Ort. Das Dorf ist ziemlich abgeschnitten, es gibt keine Cafés, Bars oder andere Touri-Hotspots. Ich war dort ganz viel draußen in der Natur, einerseits zum Arbeiten, andererseits zum Entspannen. Ich war oft am Strand, bin stundenlang in der Hängematte gelegen und habe gelesen. Jeden Tag gab es drei unglaublich leckere, frisch und liebevoll zubereitete Mahlzeiten bei meiner Gastfamilie. Die Zutaten stammen fast ausschließlich aus dem eigenen Garten. Aus einer Welt kommend, wo an jeder Ecke ein Supermarkt wartet und nur die wenigstens Platz für einen eigenen Garten haben, hatte die Zeit in Gandoca für mich eine besondere Bedeutung. Ich konnte dort erleben, wie es sich anfühlt, im Einklang und Verbundenheit mit der Natur zu leben.

Meine Unterkunft

Das Guesthouse in Antigua war unglaublich toll. Ich habe mich dort durchgehend wohl gefühlt. Das lag natürlich an der fantastischen Dachterrasse, aber auch allgemein an der guten Lage der Unterkunft. Ich war in einem Zimmer mit zwei anderen Volunteers von WanderWorld Travel untergebracht, was sehr schön war.

In Gandoca hatte ich ein eigenes Zimmer auf der Farm meiner Gastfamilie. Die Familie war sehr groß, daher war im Haus und auf der Farm immer etwas los, wodurch es nie langweilig wurde. In meinem Zimmer konnte ich mich allerdings auch jederzeit ungestört zurückziehen.
Die Familie war sehr zuvorkommend und hat immer Rücksicht auf mich genommen. Es wurde stets versucht, die perfekten Bedingungen für mich zu schaffen, damit ich mich maximal wohlfühle. Mir zuliebe hat die Gastfamilie beispielsweise auch vier Wochen auf Koriander verzichtet. Dieser wird eigentlich gängig in der costa-ricanischen Küche verwendet, aber da ich diesen geschmacklich überhaupt nicht ausstehen kann, wurde er während meines Aufenthaltes aus der Küche verbannt.
Die Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit, die mir in Gandoca zuteil wurden, lassen sich nur schwer überbieten.

Sicherheit vor Ort

Ich habe mich sowohl in Antigua als auch in Gandoca sicher gefühlt, unabhängig davon, ob ich alleine oder mit anderen unterwegs war. In meinen Augen macht es immer Sinn, nicht zu leichtsinnig zu sein, zu viele Wertgegenstände/Bargeld sichtbar für alle am Körper zu tragen, etc., aber meiner Erfahrung nach, kann man/frau sich frei bewegen. Die Leute sind freundlich, aufgeschlossen und freuen sich über Tourist*innen. Das war zumindest mein Eindruck.

Meine Tipps für zukünftige Teilnehmer

Ich persönlich kann WanderWorld Travel weiterempfehlen. Die Projekte, die man mit WanderWorld Travel machen kann, sind wirklich gut ausgewählt, ebenso die Kontaktpersonen vor Ort. Wenn etwas nicht passt, kann man sich 24h an die Organisation wenden. WanderWorld Travel gibt einem ein Stück weit mehr Sicherheit. Ich hätte mir die Reise auch komplett selbst organisieren können, aber das hätte zum einen viel mehr Zeit in Anspruch genommen, zum anderen wäre ich dann vermutlich weniger bei Gastfamilien gewesen und mehr in Hostels. Mir war jedoch genau dieser Kontakt zu den Einheimischen sehr wichtig und wie gesagt, WanderWorld Travel arbeitet mit ganz tollen Menschen zusammen, die ich ohne die Organisation mit Sicherheit nicht kennengelernt hätte. Daher bin ich WanderWorld Travel sehr dankbar, dass mir diese Begegnungen und Kontakte ermöglicht wurden.

Allgemein ist mein Tipp, dass man offen sein muss für Neues,  das ist in meinen Augen die Grundvoraussetzung. Ein Interesse an anderen Kulturen, Denk- und Lebensweisen sowie Sprachen ist von Vorteil. Man sollte sich darauf einstellen, dass manche Dinge entschleunigter laufen, als wir es vielleicht gewohnt sind. Allgemein schadet es nicht, flexibel und offen zu sein und dem Projekt, den Leuten, dem Land eine unvoreingenommene Chance zu geben.
Ich persönlich plane und strukturiere immer gerne so viel wie möglich. Das ging in Gandoca nicht, weil viel vom Wetter abhängig war und allgemein alles spontaner und flexibler gestaltet werden musste. Das war am Anfang nicht ganz leicht für mich, aber ich habe mich darauf eingelassen und es dann auch sehr genossen, die eigene Komfortzone zu verlassen.

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